Die Rettungsgrabung in Cottbus in der Taubenstraße auf dem Weinberg war wegen einer bevorstehenden Baumaßnahme erforderlich. Nach historischen Quellen hat sich hier im 19. Jahrhundert ein Friedhof befunden. Im Verlauf der Grabung sind neben anderen neuzeitlichen Befunden 340 Gräber aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts frei-gelegt und intensiv untersucht worden.
Es handelt sich durchgängig um West-Ost-orientierte Körper-bestattungen in gestreckter Rückenlage in Holzsärgen. Viele Särge enthielten Waschgefäße, persönliche Tafelgefäße und Gegenstände aus dem Besitz der Verstorbenen. Zu den weiteren Funden aus den Gräbern gehören Reste von Bekleidung, Schuhwerk und persönlichem Schmuck.
An allen Individuen wurden anthropologische Feldunter-suchungen durchgeführt. Während das Geschlechterver-hältnis ausgewogen erscheint, fällt ein Defizit an sub- adulten Individuen auf, die nach historischen Quellen außerhalb des untersuchten Bereiches bestattet worden sind. Die Population kann als relativ kleinwüchsig be- zeichnet werden. Der Zahnzustand der untersuchten Stich- probe ist schlecht. Die häufigsten am knöchernen Material festgestellten Krankheiten betreffen die Wirbel- säule. Ferner kommen Osteomalazie, Osteomyelitis und verheilte Frakturen vor.
Neben der zentral gelegenen Hauptfläche wurde auch ein Randbereich nahe der Friedhofsmauer teilweise untersucht. Dort fanden sich zum Teil ungestörte Familiengrüfte mit aufwendigen Holz- und Zinksärgen.
